„Egalité“ bei den Händelfestspielen Halle: Ensemble Arava und Alexandra Marisa Wilcke
Heute noch,
Lieber Vater, tut es doch!
Ach, ein Mann!
Wahrlich, dieser steht mir an!
Wenn es sich doch balde fügte,
Dass ich endlich vor Coffee,
Eh ich noch zu Bette geh,
Einen wackern Liebsten kriegte!
(Aus J.S. Bachs „Kaffeekantate“)

Warum feiern wir Opern und Kantaten der Barockmusik, in denen Frauen auf wenige Stereotype reduziert und nur an ihrem Bezug zu Männern gemessen werden?
Während gesellschaftlich heiße Debatten über Gleichberechtigung und Sexismus toben, bringen wir in der klassischen Musik immer noch haarsträubende Klischees auf die Bühne, und kaum jemand, der oder die sich daran stört.
Wir fordern Repräsentation und Komplexität, aber zu Werken, in denen Frauen nicht viel mehr übrig bleibt als die eifersüchtige Furie, das naive Dummchen oder die Heilige zu spielen, soll man sich entspannt zurücklehnen. Muss das so?
Gemeinsam mit der Schauspielerin Alexandra Marisa Wilcke versuchen wir uns an etwas Neuem – einer einstündige Performance aus Musik und Wort, die mal zum Lachen, mal zum Nachdenken anregt, die mit wunderschönen Klängen erfreut, aber auch schmerzt.
Denn obwohl veraltete Rollenbilder letztlich uns allen schaden, fällt es mitunter schwer, sich davon zu lösen, und manche Parallele zur Gegenwart trifft direkt ins Herz.
So geben wir den Frauen, von denen wir singen und spielen eine differenzierte Stimme, und zeichnen einen Weg, wie wir die Werke, die wir lieben auf zeitgemäße Art aufführen können.
10. Juni um 15:00 Uhr im Händelhaus Halle
Ensemble Arava
Einat Aronstein – Sopran
Sophie Wedell – Barockvioline
Nora Matthies – Barockcello
Avinoam Shalev – Cembalo
Alexandra Marisa Wilcke – Sprecherin
Werke von Bononcini, Händel, Buxtehude und Bach
Texte und Inspiration von u.a. Nadia Murad, Olympe de Gouges, Laurie Penny, Chimamanda Ngozi Adichie